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Projekt "LEBENSRAUM"

Massnahmen-Konzept

zum Schutz des Auerhuhns

im Raum Pardiel

April 2005

Auerhahn (Tetrao urogallus)

1.      Ausgangslage

Seit Jahren gehen die Bestände des Auerhuhns in der Schweiz zurück. Die landesweite Erhebung im Jahr 2001 hat einen Bestand von nur noch 450-500 Hähnen ergeben.

Rückgangsursachen sind in erster Linie die langfristige Veränderung des Waldes und Störungen durch den Menschen.

Um das Auerhuhn als Brutvogel in der Schweiz zu erhalten, müssen Bund und Kantone zusammen mit Waldeigentümern und Förstern in den nächsten Jahren den Wald grossflächig als Lebensraum für das Auerhuhn aufwerten und schützen.Zwischen 1970 und 1985 löste sich die ehemals durchgehende Verbreitung entlang des Alpennordrands in einzelne, isolierte Teilpopulationen auf. Der Auerhuhnbestand ist inzwischen auf einem kritischen Bestandesniveau angelangt.

Die Verbreitungskarte zeigt, dass der einstmals noch breite Verbindungskorridor zwischen der Zentralschweiz und Graubünden in den letzten zwanzig Jahren bis auf einen schmalen Streifen zurückgegangen ist. Es droht eine weitere Fraktionierung des grössten noch zusammenhängenden Verbreitungsgebietes der Schweiz.

In diesem Lichte haben Schutzmassnahmen im Südteil des Kantons St. Gallen, nament­lich auch im oberen Sarganserland, besondere Bedeutung.

Diese alarmierende Beurteilung hat sowohl auf nationaler als auf kantonaler Ebene zu Schutzkonzepten geführt, die wegweisende Grundlagen für konkrete Massnahmen auch im Raum Pardiel darstellen.

Im Rahmen des Auerhuhn-Schutzkonzepts für den Kanton St. Gallen (Franz Rudmann, alt Kreisförster, Wattwil, 2001) haben Fachleute der Schweizerischen Vogelwarte Sempach das Auerhuhn-Schutzkonzept Pardiel erarbeitet (Pierre Mollet / Peter Eggenberger, 2003).

 

In diesem Konzept wird explizit festgehalten, dass der Raum Pardiel für die Erhaltung und Regeneration des kantonalen Auerhuhn-Bestandes als Vorranggebiet zu bezeichnen sei. Begründet wird diese Beurteilung u.a. mit dem natürlichen Vorkommen des Auerwilds und mit der grundsätzlich günstigen Bodenvegetation.

Der vorgeschlagene Massnahmenkatalog umfasst forstliche Eingriffe, Kontrolle von Störungen, Weidebewirtschaftung sowie eine Stellungnahme zur Raubtierbejagung.

Offen geblieben sind in diesem Konzept die Abgrenzung des Projektperimeters und die Finanzierung der forstlichen Strukturverbesserungen.

Inzwischen sind diese beiden Punkte zwischen dem Förster der Ortsgemeinde Bad Ragaz, Abraham Widrig, und der Jagdgesellschaft Pardiel erörtert und zu einem praktikablen Vorgehen ausgearbeitet worden.

 

 

 

 

 

 

2.      Perimeter

Im bereits zitierten Auerhuhn-Schutzkonzept Pardiel der Schweizerischen Vogelwarte Sempach ist als Projektperimeter der Raum Pardiel-Heidiweg-Schwarzbüel-Schwiifiggler-Vilterser Alp-Saarboden-Haldenberg-Chropfberg-Schalfa-Muttberg-Prodchopf-Pardiel vorgeschlagen. Diese Grenzziehung ist aus vogelschützerischer Sicht zweifellos sachge­recht, insbesondere aber wegen der angestammten schneesportlichen Nutzung des Mittel- und Ostteils dieses vorgeschlagenen Projektperimeters nicht umsetzbar.

Die Beschränkung des Perimeters auf das Gebiet gemäss nachstehender Karte stellt zwar einen einschneidenden Kompromiss dar, ist aber gleichwohl ein sinnvoller und namhafter Beitrag an die Schutzbestrebungen zu Gunsten des Auerwilds. Sie hat auch reelle Chancen auf eine zeitgerechte Umsetzung.

                                      

 

3.      Örtliche Massnahmen

Die nötigen forstlichen Eingriffe sind im genannten Auerhuhn-Schutzkonzept Pardiel und auch andernorts aufgelistet. Es geht im Wesentlichen um gezielte Holzschläge zur Auflichtung des Waldes mit dem Ziel, die Bodenvegetation zu verbessern. Der bessere Lichteinfall führt u.a. zu einer besseren Ausbreitung der Heidelbeere als Hauptnahrung des Auerhuhns und zu einer Zunahme des Insektenangebots. Die Erfahrung aus ähnlichen Projekten lehrt zudem, dass Strukturverbesserungen zu Gunsten des Auerhuhns und anderer Rauhfusshühner auch eine allgemeine Aufwertung der Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald darstellen.

Die oben vorgeschlagene Beschränkung des Projektperimeters ist ein erheblicher Kompromiss zu Gunsten der schneesportlichen und auch der anderweitigen Nutzung der Natur. Im Gegenzug darf erwartet werden, dass die verschiedenen Anspruchsgruppen des Freitzeitraumes Pardiel den skizzierten Raum inskünftig als Schutzzone vollumfänglich respektieren.

 

4.      Kosten

Die Kosten im Sinne einer Defizitgarantie für den Waldbesitzer, d.h. für die Ortsgemeinde Bad Ragaz, werden mit Fr. 20'000 veranschlagt. Dazu kommen Eigenleistungen der Jagdgesellschaft Pardiel und gegebenenfalls anderer Helfer.

Mit den Arbeiten könnte begonnen werden, sobald die Schneelage dies zulässt und die Finanzierung gesichert ist.

 

Bad Ragaz, 4. April 2005

Jagdgesellschaft Pardiel

 Literatur

-      Schweizerische Vogelwarte Sempach (Pierre Mollet / Peter Eggenberger), Auerhuhn-Schutzkonzept Pardiel, 03.11.2003

-      BUWAL, Auerhuhn und Waldbewirtschaftung, 2001

-      BUWAL, Auerhuhn und Haselhuhn: Ihr Schutz in der regionalen Waldplanung, 2001

-      Schweizerische Vogelwarte Sempach, Dringliche Massnahmen zur Förderung des Auerhuhns, Faktenblatt Auerhuhn, 2002

-      Schweizerischer Forstverein, Arbeitsgruppe Wald und Wildtiere, Waldreservate und Auerhuhn, Reihe Vernetzung Nr. 2, April 2004

-      Amt für Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, Schreiben vom 25.01.2005

 

Bildernachweis

-      Seite 1: Balzender Auerhahn, Photo Franz Bagyi

-      Seite 2: Verbreitungskarte des Auerhuhns, P. Mollet (2002)


 

  Nachdem in den vergangenen drei Jahren wegen nicht gesicherter Finanzierung keine forstlichen Massnahmen getroffen worden sind, dürfen unsere Rauhfusshühner wieder Hoffnung schöpfen. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat am 29. April 2008  u.a. mitgeteilt:

"Für die Zeit von 2008 - 2011 hat das Bundesamt für Umwelt BAFU mit den Kantonen Leistungen zur Förderung der Naturvielfalt im Schweizer Wald im Umfang von 34,6 Mio. CHF. vereinbaren können. Mit der Errichtung von 14'600 ha Naturwaldreservaten und 1000ha Altholzinseln werden natürliche Prozesse im Wald zugelassen und gefördert. Mit Aufwertungsmassnahmen in 6'300 ha Wald werden seltene Tiere wie das Auerhuhn und der Mittelspecht sowie Waldgesellschaften gefördert. Waldränder werden aufgewertet und wertvolle Eichenwälder oder Kastanienselven gepflegt. Das BAFU erarbeitet zu diesen Aktivitäten gesamt­schweizerische Konzepte und Aktionspläne, damit Massnahmen gezielt und koordiniert umgesetzt werden können."

Mehr dazu:  http://www.bafu.admin.ch/aktuell/medieninformation/00004/index.html?lang=de&msg-id=18532


 

  In den Jahren 2008 und 2009 sind als Ausgleichsleistungen im Zusammenhang mit dem Neubau der Zubringerbahn ins Skigebiet Pardiel namhafte Holzschläge zur Verbesserung des Lebensraumes der Rauhfusshühner ausgeführt worden. Zusammen mit den mittlerweile gut etablierten Wildruhezonen hat sich damit die Situation für die gefährdete Population ein Stück weit gebessert.
 

 

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Aktualisiert: 08.11.2009

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